Probennotate zum Zündfunk Netzkongress 2017

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 5. Oktober 2017 um 02 Uhr 22 Minutenzum Post-Scriptum

 

JPEG Heute fand die zweite Besprechungs- und die erste Bühnenprobe im Rahmen der Vorbereitungen des diesjährigen Zündfunk Netzkongresses statt.
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Diese Probenarbeit wurde über grosse Strecken mit einem Mikro vom gleichen Typ aufgezeichnet, wie es auch in den Interviews im Jahr zuvor zum Einsatz kam. Hier der Beginn der Aufzeichnung:

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Aus den Interviews des vergangenen Jahres:
- Zündfunk Netzkongress Tag Eins
- Zündfunk Netzkongress Tag Zwei
wurden die nachfolgend nochmals zitierten und nun transkribierten Text von zwei Schauspielern, Clara Liepsch, "C", und Peter Blum, "P", ausgewählt und untereinander aufgeteilt [1].

Nachfolgend werden hier die nun ausgesuchten und im Verlauf der Probenarbeit in ihrer Abfolge neu geordneten Texte nochmals - nun samt Transkription - vorgestellt.

Zum Ende dieses Probentages und am Ende der heutigen Aufzeichnungen dann ein gemeinsames Schlussgespräch, das der Autor - in diesem Falle nun auch Spielleiter - mit den beiden Schauspielern führte und sodann auf deren Anregung auch selber Stellung bezog:

Geschichten aus dem Netzkongress 2016

W/Einspieler: Angst um die Mutter

M/C: Mein erstes Tor

Ich erinnere mich noch genau, bei meiner ersten Saison bei meinem Fussballklub im Dorf. Bei meiner ersten Mannschaft. Bei meiner Debutsaison: mein erstes Tor. Also, wie ich drauf zulauf, den Doppelpass spiel, den rechts einschieb. Und ich weiss noch genau in Gedanken: Die Umstände und die Gegner, die neben mir standen, auch die Mitspieler. Und auch die Reaktionen von den Fans am Spielfeldrand, was auch nicht viele sind in einem Dorf.

W/P: Ein Behindertenwitz

Danke, ich darf diesen Witz neu erzählen, weil ich selber eine Behinderung habe, ich bin Rollstuhlfahrerin, es ist ein Behindertenwitz. [lacht] Was fragt, ein Schizophrener nach dem Sex? Und [lacht]: Wer war ich? [lacht] So, bitteschön, das war mein Beitrag.[lacht]

W/C: Keine Geschichte

Nee, die habe ich noch nicht, da muss ich erst noch drüber nachdenken.

M/P: Ein historischer Moment wird verpasst

Die Geschichte. Also ‚ne Geschichte, die Geschichte meines Lebens, wo ich etwas verpasst hab‘ was so glaube ich nicht mehr wiederholbar ist… Also am neunten November neunzehnhundertneunundachtzig, als die Mauer fiel, ja, da war ich in Berlin. Und es war Abends, ähh, und ich hatte schon ein paar Bierchen drin und eventuell auch ein paar Kräuter geraucht… und dann kam die Meldung: die Mauer ist auf. Ich habe in der Potsdamer Strasse gewohnt, also nicht so weit weg von dem Ganzen… und dann hab‘ ich mir gedacht: gehste heut nochmal vor die Tür… nöhhhhh, also komm… ich bin zu faul. Wenn die Mauer gefallen ist, ist die morgen auch noch weg. Und insofern habe ich in diesem Moment den einzig wirklich grossen historischen Moment meines Lebens habe ich wirklich total verpasst. Und, ähh, das hat mich dann doch noch ein bisschen geärgert, dann… ich könnte die Geschichte noch elegisch ausführen, aber ich glaube, das reicht.

M/C: Die erste kostenlose Lektion in Sachen Kapitalismus

Genau. Mauerfall. Teil zwei. Am nächsten Morgen, nachdem ich den Mauerfall spektakulär verpasst hab‘ bin ich als Taxifahrer unterwegs gewesen. Und in der Sonnenallee haben sie auch einen Grenzübergang ausgemacht. Und da kamen zwei junge Typen… und da haben sie gehört, dass die Mauer offen wäre. Und dann sind die in der Nacht aus Rostock mit ihrer Simson nach Berlin getuckert um sich das anzuschauen. Lehrlinge oder so war’n das. Und dann „ohhhh“, völlig begeistert und „ahhh“ und wollten sich am Ku’damm die hundert Mark Begrüssungsgeld abholen und: „Boahhhh, jetzt steht uns die Welt offen…“. Und ich habe wohlweislich den Taxameter nicht angeschalten . Und als wir dann so Richtung Ku’damm kamen, habe ich sich so gefragt: „Was glaubt ihr, was die Fahrt hierher kostet?“. „Ahhh… keine Ahnung, keine Ahnung“ Und ich sage: „Ja, so um die vierzig Mark.“ Dann haben die fast das Weinen angefangen weil sie gedacht haben, für hundert Mark können sie den ganzen Westen kaufen. Und dann habe ich gesagt: „dass ist die erste kostenlose Lektion in [Sachen] Kapitalismus, die ihr hier kriegt und ab jetzt wird’s härter wahrscheinlich…“ Und ich hab sie rausgeworfen. Und da waren sie dann schon leider ziemlich ernüchtert [lacht], weil … was den Taumel der offenen Grenzen angeht… ja.

M/C: die weiterhin schlechte Qualität von VR-Brillen

Ich bin ein bisschen erschüttert darüber, dass 15, dass mehr als 15 Jahre nach den ersten Virtual Reality Brillen die Auflösung der eingebauten Bildschirme immer noch genauso schlecht ist wie vor mehr als 15 Jahren.

W/P: Die virtuelle Freundin

Also, sie wollen jetzt erst was Böses hören?! Guuuuuut: Nachdenken über Freundschaft. Ich hatte mal eine Freundin. 2 ½ Jahre lang. Virtuell. Irgendwann dann auch telefonisch. Und so, wie unsere Freundschaft wuchs, wuchs auch unser gemeinsamer Freundeskreis. Von Tag zu Tag. Von Woche zu Woche… Irgendwann gab es dann auf Facebook eine Freundesgruppe. Noch ein wenig später haben wir und auch persönlich getroffen. Und dachten eigentlich, wir würden uns alle ganz doll liebhaben und wunderbar verstehen. Drei Woche nach diesem allerersten persönlichen Treffen begann dann – wie eine Freundin von mir sagte – „Der Tanz der Unwahrheiten“. Diese Freundin, unser aller Mittelpunkt des Kreises, war nämlich in Wirklichkeit eine dicke fette Spinne, die in ihrem Netz böse klebrige Fäden gesponnen hat. Sie schuldete fast jeder von uns Geld. Sie schuldete fast jeder von uns Dinge. Es folgten Strafanzeigen, Drohanrufen, Beleidigungen, Verleumdungen, Facebookdilemma[ta] ohne Ende… ja, ohne Ende. Im Moment sitze ich hier und weiss noch gar nicht, wohin es führen soll. Und habe den Glauben an Freundschaft fast verloren. Damit das nicht so bleibt, gehe ich morgen zu „Tabaluga“ und feiere mit dem kleinen Drachen die Freundschaft.

W/C: "Ich bin Viele" Über das Fremdsein in der Fremde

All diese „ich bin viele“, der Satz: -„ich bin viele“ hat mir ermöglicht, nicht fremd zu sein, sondern dazu zugehören, via [durch] Handeln. Wie in der „Vita activa" beschrieben von Hannah Ahrendt: Man handelt, man ist nicht. Oder? … Dann bin ich vor vier Jahren nach München gezogen, ahmmm, weil wir auch noch ein bisschen europäische … Europa in München geniessen wollten und nicht nur in Belgien und in der europäischen Schule … da, das war gut, weil ich hier eh‘ meine Jobs in der Nähe habe, in der Schweiz und in Ulm. Und hab‘ realisiert, dass genau das selbe passiert ist, weshalb ich mein Heimatland verlassen habe: Kategorien, Vermessung, Status, Geld… und ich kam mir vor, wie eine orthodoxe Jüdin, also aufgewachsen im Städtl und emanzipiert mit 16 und raus in die Welt. Und das ist genau das, was ich gemacht habe… Und dann nach 30 Jahren – nach 25 Jahren war das in meinem Fall – denkt sie „ahhhhh, kein Problem, ich bin jetzt 25 Jahre aus dem Städtl … ich zieh‘ jetzt wieder ins Städtl, aber ich bin anders geworden. Genauso ging es mir nach so langer Zeit in Bruxelles und Paris, und ich war ja noch lange in New York, und dann kam ich nach München. Und in das Städtl kam die orthodoxe, die NICHT MEHR orthodoxe Jüdin, die laizistischen Jüdin – das ist ähnlich wie bei meinen laizistischen muslimischen Freundinnen – Du kannst es ganz lange von Deinem Laib halten. Also sprichwörtlich vom Laib halten, aber nach zwei,drei Jahren beginnt sich der Motor wieder einzuölen, beginnt sich die Kultur wieder … ähmmm … unter die Haut zu schleichen, beginnt sich wieder, breit zu machen. All die Dinge, die die die … nicht nett sind, die Unfreundlichkeit, die Direktheit, die manchmal gut sein kann, wenn es um den Beruf geht – das hat mir im Beruf geholfen – die aber im zwischenmenschlichen Bereich sehr zerstörerisch wirken kann, die schlechte Laune, die Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, und die Fixierung auf „Daten und Vermessen“.

M/P&C: Eine türkische Stadt aus der Sicht eines Polizeipräsidenten

Okey… ich war mit einer Freundin – eigentlich zum Wandern – in der Türkei, also zum Bergsteigen. Ahmmm. Und dann haben wir doch noch eine Stadt angeschaut. Und dann wurden wir prompt von dem Polizeipräsidenten dieser Stadt als Touristen erkannt. Und anscheinend war gerade nicht so viel Polizeiarbeit zu erledigen. Das heisst, er hat uns einfach direkt nut zu sich in sein Polizeiauto genommen und hat uns seine Stadt gezeigt. Nebenbei immer mal wieder den Verkehr geregelt. Und kleinere Unfälle bearbeitet. Aber… wir waren immer dabei und durften sozusagen aus der Sicht eines Polizeipräsidenten, Schrägstrich, eines Einheimischen so’ne Stadt sehen. Und das war auch sehr interessant, weil er natürlich die ganzen Plätze kannte, die zum einen natürlich sehr touristisch waren, und uns da auch sehr schnell durchführen konnte, und zum anderen auch die schöneren Plätze, die nur die Einheimischen kannten… das war sehr schön.

W+W/C&P: Damaskus, Passwort "Love"

Ich überleg’ schon…

… es gibt so viele Geschichten…

… ja, das muss ja eine sein, die mir so am Herzen liegt…

… eine Erfolgsgeschichte?

… ja, eine, die wir beide erlebt haben, weil wir uns gerade mal wieder treffen, seit langer Zeit.

… vielleicht die kleine Erfolgsgeschichte aus Damaskus damals…

… welche war das denn?

… als wir nur in dieses Kaffee…

… ja, die ist schön…

… erzähls

… nein Du…

… nein Du, erzähl Du was…

… Password, Passwort

… [lachen]

… das ist eine schöne kleine Erfolgsgeschichte … aber die kann ich nicht mehr erzählen, die hab ich schon so oft erzählt
… mach …

[beide: lachen]

Wir waren in Damaskus. Was ja – ähm – schön ist, aber auch traurig. Und – ähm – da war Damaskus noch ganz leicht. Ja. Und – ähm – und wir haben gehört von der Schwester, von der Kathrin, dass es gerade den Club „M“ gibt. Und dass dieser Club, ich glaub… Zündfunk hat die 6 besten Clubs gerade genannt in diesem Moment wo man in DIESEM JAHR hingehen soll. Und das war das „M“ in Damaskus. Und wir dachten, das kann ja nicht sein, wir sind in Damaskus: toll. Und dann sind wir in den Club gegangen. Und das war ganz nett und witzig und la la la… und dann sind wir auf dem Heimweg an unserer Lieblingsbar vorbeigegangen, wo Tschou immer für uns einen Sambuko gemixt hat. Der er mit den Händen abgezogen hat…mit Feuer und tam tam tam. Da sind wir jedes Mal hingegangen. Abends, nach dem Suk und nach den tollen Erlebnissen in Damaskus. Und da war eine Party und wir wollten da natürlich rein. Und da hat … [lacht] und dann musste man da ein Passwort sagen um da reinzukommen in die Bar. Und meine fantastische Freundin Kathrin hat sich überlegt: „Moment, es gibt ein Passwort, und damit kommt man überall rein.“ Und sie hat gesagt: „Love“. Und ER so: „OK. … [lacht laut]

.., und dann waren wir auf der grössten

… tollsten

… Geburtstagsparty, mit Live-Singer und Performance,,,

… und haben die ganze Nacht getanzt….

… die ganze Nacht getanzt. Und das war – für uns zumindest – sehr syrisch. Richtig. Und da war ein live-Sänger. Und der hat bei jedem Lied mitgesungen. Und der hat immer in der Mitte getanzt und hat die Leute aussenrum… Und wir haben mitgetanzt. Grossartig. Toller Erfolg. Das Passwort „Looooooooovvve“ is the answer.

[Beide lachen laut] Danke schön. [lachen weiter] Die war echt…

W/C: Der Vertrag, Teil 1

Also, die Geschichte, die ich erzähl‘, also die ist ziemlich genau passiert vor… [Denkpause] … vierundzwanzig Jahren. Sie spielt hier in München. Und – ähm – es geht um einen Mann, der dann später mein Mann auch wurde. Und sie spielt sich ab in einer relativ dunklen Nacht in Winter oder im beginnenden Winter und zwar unterm Friedensengel in München. Und damals fragt mich diese Mann, den ich kennengelernt hatte, ob wir zusammenkommen wollen. Und ich fand ihn faszinierend, weil er eine so sehr verschwiegene Seite hatte und ich das Gefühl hatte, und ich wollte diese verschwiegene Seite unbedingt entdecken – und aufdecken. Und er sagte dann zu mir: „Wir machen folgenden Vertrag. Wir machen einen Vertrag.“ Es war fast irgendwie ein Vertrag, der fast was mit „Faust“ zu tun hat. Der Vertrag ist: wir sind drei Jahre zusammen, und danach werde ich verschwinden. Und ich fragte dann, was meinst Du mit „verschwinden“? „Ja“, sagte er, „ich werde verschwinden.“ Dann sagte ich „Ja, meinst Du jetzt Du gehst dann einfach weg und Du gehst woanders hin oder – ähmmm – Du gehst in [die] Immigration oder ähmmm…“ „Nein“, sagte er, „ich gehe ganz“ . Und dann habe ich gemeinst, „ja, meinst Du, Du würdest gehen, wenn Du Dir das Leben nimmst?“ Und dann sagt er, er will das offen halten.
Und dann stand ich unter diesem Friedensengel in dieser dunklen Nacht … und ich –ähhm – und um uns herum war der Verkehr und die Stadt …und alles verschwand für mich. Und das war für mich der Moment, wo ich wusste, wenn ich mich jetzt auf den Deal einlasse, dann habe ich möglicherweise die Verantwortung für das Verschwinden eines Menschen und trage mich damit drei Jahre. Wenn ich mich nicht auf den Deal einlasse… dann wusste ich auch, dass ich einem Menschen auf Wiedersehen sage, oder auch nicht auf Wiedersehen sage, der mich interessiert… also habe ich gesagt – und das war fast eine Zwangsläufigkeit [...]

M+W/P&C: Neuseeland, mit den Pinguinen "auf Du"

… jetzt haben Sie mich wieder mit, ich, ich, ich … nehme ja keine Mikrophone mehr vor… eigentlich … ich könnte eine Geschichte über Vögel erzählen.

.. Du kannst über die Pinguine erzählen…

… Über die Pinguine? Ja:..

… das hat Dich nachhaltig beeindruckt…

… das stimmt, in der Tat…

… na, siehst Du, erzähl…

… ich mutiere im Urlaub immer zu so’ nem Hobby-Ornithologen, wissen Sie, und wenn Sie mich irgendwas über Vögel fragen, dann weiss ich eigentlich überhaupt Nichts darüber. Gar nichts. Höchstens, wie ich so’n Eisvogel erkenne. Wenn man mal einen sieht, aber das ist ja auch sehr, sehr selten. Aber wenn ich dann im Urlaub bin, dann mutier ich immer zum Hobby-Ornithologen. Und dann waren wir in Neuseeland. Und dann hatten wir eigentlich nur ein Ziel: wir mussten zu den Pinguinen fahren. Und diese Pinguine, die gibt es nur an bestimmten Orten. Und die Pinguine sind ja auch nicht so die Vögel, die so überall rumhängen. Und dann sind wir da hingefahren, da gibt es so ein zooartiges Gehege. Was wir uns aber nicht antun wollten. Weil, da zahlt man Eintritt, da kann man Abends da hin und da kann man … da kommen dann die Pinguine Abends an Land nachdem sie tagsüber für ihren Nachwuchs Fische gefangen haben, die bringen sie dann mit … und da haben sie dann so Tribünen aufgebaut. Und an diesen Tribünen, da sitzt man da. Und dann gibt es da so’n künstliches Licht was die Pinguine angeblich nicht wahrnehmen… und die Pinguine laufen dann zwischen den Tribünen zu ihren von den Menschen handgebastelten _________________ und da leben sie dann… Und das wollten wir uns dann aber nicht wirklich antun. Und dann sassen wir da in einem Restaurant und haben uns gefragt: das kann doch nicht sein, dass die Pinguine alle in dieser Kolonie leben. Wir wollen richtige Pinguine sehen, und die muss es auch woanders geben… und klar, die sind hier doch überall. Wir müssen nur Abends dann an den Strand gehen und zu den Felsen, de da vorne sind. Und da kommen die dann irgendwann… Und wir also Abends los, in der Dämmerung, und haben uns dann irgendwo in der Distanz zum Strand irgendwo 40, 50 Meter weit weg eine Gruppe von Pinguinen gesehen , die dann an Land gekommen sind. Und – ähm – die sind dann so rausgehüpft, in so’ner 5er, 6er Gruppe. Und der Erste hat immer so geschaut, ob da nicht irgendwo doch eine Gefahr lauert… und dann sind sie auch mehrmals so ins Meer geflüchtet, weil sie irgendwas gesehen haben und gedacht haben, was zu sehen… und waren dann wieder weg. Und wir waren dann schon glücklich, dass wir die Pinguine zumindest aus dieser Distanz gesehen haben. Und es wurde dann immer dunkler…und auf einmal sehen wir da so’n anders Pärchen, das so 50 Meter entfernt ist und die so durch die Gegend mit den Fingern zeigen. Und da haben wir gedacht: Da sind sicherlich noch viel mehr Pinguine. Und dann sind wir dahin. Und da war dann wirklich ein ganzer Haufen von Nestern zwischen den Steinen. Und die Pinguine die sind dann so zwischen und durchgewatschelt. Man hätte die einfach nur aufheben können, wenn man das gewollt hätte. Was man natürlich nicht tut, weil man versucht, sie zu respektieren. Aber man konnte sich gar nicht mehr vor denen schützen. Weil sie von überall gekommen sind. Und dann steht man da inmitten einer ganzen Armee von kleinen Pinguinen. Und freut sich wie Schnitzel dass man diese ganzen Tiere da so in echt leben, äh, erleben kann. Und wir sind dann denen noch gefolgt, weil einige von denen wohnen dann in Häusern einige Meter weiter und haben dann beobachtet wie sie dann so über Eisenbahnschienen gehüpft sind auf der Suche nach ihrem Nachwuchs. Und das ist dann sehr, sehr laut und man erwartet dann gar nicht, wie Pinguine so klingen .. man erwartet vielleicht, dass die so ganz helle Töne von sich geben, aber nein, die klingen ja wie Krähen, die krächzen,… uns dem haben wir dann den ganzen Abend lang zugeschaut, Und waren die glücklichsten Menschen der Welt.

W/C&P: Grossmutters Beziehungs-Rat

Ich hab‘ – das ist sehr persönlich [lacht leicht] keine Namen – also vor ein paar Jahren, bin ich auch einer sehr langen Beziehung rausgegangen, die fast neun Jahre ging. Und dann habe ich damals immer bei meiner 91-jährigen Oma gesessen und ähm mich so ein bisschen ausgeheult und mit ihr darüber gesprochen. Und tatsächlich kann ich jetzt sagen, dass mir meine 91-jährige Oma mir einen der besten Beziehungstipps gegeben hat, weil sie damals zu mir gesagt hat: „Weisst Du, egal, mit wem man dann zusammen ist, man tauscht einfach nur die Fehler aus. Du musst einfach schauen [lacht] mit welchen Fehlern Du am besten zurechtkommst.“ Und das habe ich nie vergessen. Und das ist so’n Beziehungsrat, den ich von meiner sehr alten Oma nicht erwartet hätte.

W/P: Der Vertrag, Teil 1

[...]

W/C: Der Vertrag, Teil 2

[...] „ich lasse mich nicht auf den Deal ein“… wenn wir uns einlassen, dann ohne die Klausel ohne die drei Jahre, sondern dann sozusagen für immer. Ich habe dann kurz danach – er ist dann eingestiegen darauf, wobei die ganze Zeit eigentlich in meinem Kopf immer diese diabolische Zeit da war, diese diabolische Zahl drei – und ich hab‘ ihn dann kurz darauf gefragt, warum er eigentlich von drei Jahren ausgegangen ist. Und dann sagt er, dass er nach seiner Lebenserfahrung … dass seine Lebenserfahrung zeigte, dass immer nach drei Jahren eigentlich immer so das Feuer, das man für den Anderen in sich hat, anfängt, zu verlöschen. Und er möchte diese Erfahrung nicht mehr machen. Und deswegen wäre ihm die Variante, zu gehen, lieber gewesen als dieses Feuer im Laufe der Jahre verlöschen zu spüren. Und diese Geschichte hat mich nachträglich geprägt. Sei hat mein ganzes, mein weiteres Leben bestimmt. Ich habe es, nachträglich gesehen, als eine Art von Erpressung verstanden, und wenn ich heute wieder entscheiden würde, würde ich sagen, lass uns in einem halben Jahr wieder treffen, wenn Du Dir vielleicht eine andere Meinung zu dieser Geschichte gemacht hättest. Aber damals bin ich drauf eingestiegen, weil ich gespürt hab‘ dass da auf der anderen Seite jemand stand, der unbedingt etwas wollte und dafür sogar ein Verschwinden seiner eigenen Person in Kauf genommen hätte. Und das war so stark, dass es mich absolut angezogen hat.


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P.S.

Noch in Arbeit ist der Umgang mit diesen Interview-Texten:

W: Der gute Freund - die gute Tat

Als zweites jetzt eine schöne Geschichte. Und zwar wie ich meinen jetzigen Freund und zukünftigen Zweitehemann kennengelernt habe. Den habe ich – genaugenommen – am Anfang gar nicht wahrgenommen. Wir sind zusammengekommen durch das Bayerische Rote Kreuz, wo wir beide ehrenamtlich tätig waren – er ist vorher auch jahrelang hauptberuflich Rettungsdienst gefahren – und er hat mich wahrgenommen, ich ihn aber nicht. Wie da manchmal so ist bei Männlein und Weiblein. Und irgendwann hatten wir dann einen flüchtigen Kontakt auf irgendeinem Terminevergabeabend, das nennt sich „Bereitschaftsabend“, obwohl da keiner bereit war, aber Termine haben wir trotzdem angenommen, und sind ins Gespräch gekommen und haben uns dann im frisch eingerichteten Forum mal getroffen und miteinander diskutiert, irgendwann dann auch gechattet – ich glaube das war damals noch dieser IRC-Chat, so ganz dunkel [lacht] erinner ich mich noch – und das war einfach nur loses Gequatsche. Und dann habe ich meinen ersten Wiesn-Einsatz gemacht. 16 Stunden ohne Pause, ohne Schlaf, sehr blutig, sehr aufgeregt, weil es das erste Mal war, und er war mein Tragenchef. Da hatten wir [zunächst] ein paar kleiner Einsätze. Und irgendwann wurde es dann richtig übel. Da sind wir dann zu einer Maasskrugschlägerei gerufen worden und ich hab‘ mich drauf verlassen, dass dieser erfahrene, eben hauptberufliche Sanitäter, die Lage in dem Griff hat. Habe mich um ein paar auch betroffene Patienten gekümmert, während er sich so um den Hauptpatienten gekümmert hat. Und dann winkt er mich auf einmal zu sich ran, hält mir diesen mit Blut durchdrungenen Druckverband des Patienten entgegen und sagt: mach den mal zu, mach mal weiter, ich krieg den nicht dicht. Ich erinner mich dran, als ob es gestern gewesen wär, ich hab gedacht, ich fall gleich in Ohnmacht. Und hab‘ gedacht, wenn er das nicht kann, wie soll ich den jetzt retten. Und hab’s dann [aber] irgendwie hingekommen… langer Rede kurze Sinn: Es ging eigentlich nur darum, dass er dann den Patienten intensiver betreuen wollte, dass er Infusionen anlegen wollte, was ich ja gar nicht durfte, er als hauptamtlicher aber schon, und dass er sich quasi mit den „Kleingkeiten“ gar nicht abgeben konnte. Ich war aber trotzdem maasslos verwirrt, trotz aller Bemühungen, wir haben alle mit 6 Mann gekämpft, im strömenden Regen, die Polizei vom Grenzschutz hat uns noch die Taschenlampen gehalten, und irgendwann kippte die Situation und der Patient wäre uns wirklich fast verblutet, auf gutdeutsch „verreckt“. Das waren so ziemlich die aufregendsten Minuten meines Lebens. Und dabei lernt man den anderen Menschen auch verdammt gut kennen… und nach einer Viertelstunde war es dann geschafft, der Patient hatte überlebt, konnte abtransportiert werden, und dann haben wir uns angekuckt und ich habe gedacht „Boahh, irgendwie ist der ganz schön nett…“

W: Der schwere Abschied

Nein, ihr dürft nicht zuhören… nein, ich kann es Euch nachher nochmals erzählen. Ich musste lustigerweise gerade daran denken, wie ich am Flughafen stehe in München und … ich bin ins Auslandssemester gegangen nach Helsinki und ich stand da an diesem Flughafen und musste mich von meiner Mamma verabschieden, und es war ein sehr trauriger Moment weil… gleichzeitig auch sehr fröhlich, weil ich wusste, es kommt jetzt was total Aufregendes, Spannendes, Neues… aber ich war wirklich… ich musste wirklich kämpfen, nicht zu weinen. Und ich weiss noch, wie das sehr hart war, jetzt nicht in Tränen auszubrechen, weil ich auf der einen Seite so traurig war und auf der anderen Seite so glücklich, dass ich jetzt nach Helsinki darf und da eine spannende Zeit erleben werden [lacht leise].

W: Die wiedergewonnene Partnerschaft

Also, ich erzähl Euch eine Geschichte, die ich gestern von meiner Kollegin gehört habe, die ein wenig älter ist als ich und drei Kinder grossgezogen hat, die sind jetzt schon volljährig, und jetzt mit ihrem Mann dass erste mal wieder allein zwei Wochen im Urlaub war. Und die gemeint hat, wie war vorher schon mit ihrem Mann zehn Jahre zusammen, bevor das erste Kind kam… und sie sind sofort wieder in diesen Modus verfallen, dass sie jetzt nur noch ein Paar sind, und haben sich immer ganz nett die Bilder angeschaut, die ihre Kinder so geschickt haben und haben gedacht „ach schön so, trallala…“ Und waren ganz so in ihrem eigenen Kosmos. Und dann sind sie heimgekommen. Und standen alle drei Kinder da und haben gesagt: „spinnt ihr, warum habt ihr Euch überhaupt nicht gemeldet, wir haben nichts von Euch gehört, was war denn los…“ und dann haben sie irgendwie so lachen müssen, weil sie echt gemerkt haben: so, Kinder, so ist es uns auch Jahrelang gegangen.

Anmerkungen

[1Dabei spielte die persönliche Affinität zu den jeweiligen Texten eine wichtigere Rolle als die Tatsache, ob dieses Zitat im Original nun eine Frau, "W", oder ein Mann, "M", gesprochen hatte.


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