No Show: FRAU MACHT MEDIEN

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 22. April 2018 um 22 Uhr 03 Minutenzum Post-Scriptum

 

26. März 2018

Hier der Text der Einladung zu der heute beginnenden und auf der DJV.de - Seite wie folgt angezeigten Veranstaltung: "FRAU MACHT MEDIEN — Konferenz und Networking-Event für Journalistinnen und alle anderen Frauen in Medienberufen"
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Unter dem Motto Rasender Stillstand wollen wir während der zweitägigen Tagung u.a. folgende Fragen diskutieren:

Wofür steht der Feminismus im Jahr 2018 und warum ist er für alle (Geschlechter) wichtig? Nutzt der aktuelle Hype dem Kampf für eine gleichberechtigte Gesellschaft wirklich? Welchen Einfluss hat der Journalismus heute auf Rollenbilder? Und wie können wir Journalistinnen das Engagement in eigener Sache für (finanzielle) Geschlechtergerechtigkeit und mehr Vielfalt in den Medien vorantreiben und unsere Kräfte bündeln?

Freut euch auf Teresa Buecker (Chefredakteurin EDITION F), Silke Burmester (freie Medienjournalistin, Redaktionsleitung "Die Dame"), Bascha Mika (Chefredakteurin Frankfurter Rundschau), Henrike von Platen (Gründerin Fair Pay Innnovation Lab), Maren Weber (Vorsitzende ProQuote), Rebecca Beerheide (Vorsitzende Journalistinnenbund), Minou Amir-Sehhi (Vorsitzende DJV-Kommission Chancengleichheit und Diversity), Pauline Tillmann (Deine Korrespondentin) und viele weitere Top-Referentinnen.

Auch die Praxis kommt natürlich nicht zu kurz: So werden u.a. EDITION F und SZ PLAN W innovative Konzepte für "Female Empowerment" vorstellen. Spannende Workshops zu Themen wie Design Thinking, Storytelling und diskriminierungsfreier Berichterstattung ergänzen das Programm.

Liest man diesen Trigger-Text genau, dann ist da von einem Event "für Journalistinnen und alle anderen Frauen in Medienberufen" die Rede. Ist das wirklich so ausgrenzend gemeint, wie es da steht?

Wir hatten erst im Februar in Berlin eine Veranstaltung organisiert, in der es um die Frage nach der Rolle von Frauen in Führungspositionen in PR und Journalismus ging. Und nach deren offiziellem Ende von einer Reihe von Frauen bedauert wurde, dass sich für diesen Abend nur so wenig Männer (ange-)meldet hätten.

Machen also wir die Probe aufs Exempel und melden uns über den XING-Account an:
Dort werden - es ist der 26. März 2018 - noch 4 freie Plätze signalisiert [1]. Mit Verweis auf die DJV-Mitgliedschaft wird die Beitragssumme von € 79,00 aufgerufen, dieser Betrag wird bestätigt und der "Weiter"-Button angeklickt. Weiters wird die Rechnungsadresse geprüft und bestätigt. Dann werden die XING-AGB’s bestätigt. Und erneut der "Weiter"-Button geklickt.

Jetzt werden nochmals die Nutzerdaten abgerufen und ergänzt. Und es ist eine Teilnahme an einem Workshop festzulegen [2].

Auch die Beteiligung an der Abendveranstaltung wird angeklickt. Sowie der Vermerk, dass der Hinweis auf diese Veranstaltung (im Rahmen einer Vorstandssitzung) über den DJV-Landesverband kam. Schliesslich wird als Zahlungsart "Rechnung" gewählt.

Dann aber muss alles ganz schnell gehen, da sonst die für die Buchung vom System bereitgestellte Zeit abgelaufen wäre.

Um 18:12 Uhr trifft eine Info-Mail ein, die mit den Zeilen beginnt:

Hallo Wolf SIEGERT!
Wir freuen uns, dass Sie an folgendem Event teilnehmen:
FMM - Die Konferenz für Journalistinnen
Samstag, 14.04.2018 um 12:00 - Sonntag, 15.04.2018 um 15:30

Siehe da: Es hat geklappt. Also doch keine Exklusion.
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In der Gästeliste werden 167 Personen angezeigt. Und beim Scrollen durch eben diese Liste wird bereits auf Seite 2 mit Erleichterung festgestellt, dass sich mit "UW" und WB" zumindest schon zwei weitere Männer angemeldet haben (auch wenn von diesen nicht mehr als ihr Name vermerkt ist).

Vielen Dank also für diese ganz besondere Einladung.

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Teilnahmebestätigung

5. April 2018

PDF - 47.4 kB
Rechnung

Bei den Reisevorbereitungen für die o.g. Veranstaltung stellt sich heraus, dass die am 26. März 2018 zusammen mit der Teilnahmebestätigung erstellte Rechnung am gleichen Tag wieder storniert wurde.

Dieses Storno wurde dann auf schriftlichem Wege am Mittwoch, den 28. März 2018 09:38 nochmals in dem nachfolgenden Text wie folgt bestätigt:

Hallo Wolf SIEGERT,

für Ihre Rechnung "2PXJRGK00184" wurde eine Stornierung durchgeführt. Im Anhang finden Sie Ihre neue Rechnung.
Details zur Stornierung:
Event: FMM - Die Konferenz für Journalistinnen
Veranstalter: Deutscher Journalisten-Verband Kontakt zum Veranstalter: qua@djv.de

Original-Rechnungsbetrag: € 79,00
Stornierungsbetrag: € 79,00

€ 79,00 wird Ihnen nicht zurückgezahlt, da die Rechnung noch offen war.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr XING Events Team

Da bis zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Gründe bekannt waren, wird mit diesem Zeitpunkt nochmals aktiv nach den Umständen gesucht, die diese Mitteilung ausgelöst haben.

Die entsprechende Anfrage an die Adresse von XING Events Billing Support wird wie folgt beantwortet:

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, vielen Dank für Ihre E-Mail.
Gerne werden wir Ihr Anliegen so schnell wie möglich bearbeiten. Wir sind von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 18 Uhr für Sie da. Bitte geben Sie bei Rückfragen immer die Referenznummer RYM-795-65805 mit an.
Vielleicht finden Sie die Antwort auf Ihre Frage direkt in unserem Hilfebereich.
Ticketkäufer: https://www.xing-events.com/hilfe-center/hilfe-fuer-ticketkaeufer
Veranstalter: https://www.xing-events.com/hilfe-center/hilfe-fuer-veranstalter
In unseren FAQ finden Sie jederzeit nützliche Informationen rund um unser Produkt.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr XING Events Team

Die selbe Anfrage wird postwendend auch vom Bonner DJV-Büro mit einer Erinnerung an dieses nachfolgend nochmals zitierte Schreiben vom 28. März 2018 beantwortet, in dem es heisst:

Lieber Herr Siegert,

vielen Dank für Ihre Anmeldung zum DJV-Journalistinnenkongress FRAU MACHT MEDIEN am 14./15. April 2018 in München.

Es handelt sich jedoch um einen Kongress, der ausschließlich JournalistINNEN vorbehalten ist (obwohl die Themen natürlich z. T. auch für Journalisten interessant sind).

Daher bitte ich um Verständnis, dass ich Ihre Teilnahme storniert habe.

Mit der Bitte um Verständnis und
freundlichen Grüßen

Offensichtlich wurde also als Fehlleistung übersehen, was so lieber hätte nicht geschrieben werden sollen (sic!).

Wenn dieser Bericht an der einen oder anderen Stelle erneut Diskussionen auslösen wird, dann wäre das gut so.

Dazu an dieser Stelle diese Punkte:

1. Dieses Vorgehen erinnert stark an den Start von ProQuote: Damals durften die ErstunterzeichnerInnen auch allesamt nur Frauen sein [3]...

2. Auch wenn diese Position auf Dauer nicht zielführend sein wird, sollten sich Männer wie der Autor unterstehen, jetzt die "beleidigte Leberwurst" zu spielen.

3. Der offensichtlich not-wendige Kampf um die Macht in den Medien sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frage nach der Macht der Medien als 4. Gewalt deutlicher denn je neu beantwortet werden muss.

Wie aus gewöhnlich gut informierten Quellen zu erfahren war, gab es im Verlauf dieses Samstags und Sonntags nicht nur eine gute Stimmung, gute Vorträge und gut moderierte Panels, sondern sogar ein gutes Catering, das - als Ausnahme von der Regel - auch von Männern hat ausgerichtet werden dürfen :-)

WS.

22. April 2018:

In der schriftlichen Anmoderation des B5 aktuell-Beitrags vom 20. April 2018 "Wie Journalistinnen voran kommen" Von Laura Goudkamp ist zu lesen:

100 Prozent Frauenquote bei einer Medienveranstaltung? In dieser Männerdomäne eher selten. Bei der Journalistinnen-Konferenz "Frau. Macht. Medien", organisiert vom Deutschen Journalistenverband DJV, blieben die Frauen unter sich und tauschten sich aus über Gender Paygap, Aufstiegschancen, Medienprojekte von und für Frauen. Männer sorgten für Catering und Kaffeenachschub.

P.S.

Hier ein nicht datierter Text des Stellenvermittlers MONSTER - mit diesem exemplarischen Impressums-Foto
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zum Thema: Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen im internationalen Vergleich - im Allgemeinen.
Es wird spannend sein, zu erfahren, wie sehr die Einkommensschere speziell in den Medienberufen in Deutschland auseinander klappt - wie es jetzt ja gerade wieder exemplarisch im Vereinigten Königreich bei der BBC zu erleben war und unter #bbcwomen bis zum Zeitpunkt dieser Tagung weiter nachverfolgt werden kann.
Interessant auch diese hier angehängte Studie um unterschiedliche Einkommesunterschiede bei männlichen und weiblichen Uber-FahrerInnen in den USA :

PDF - 2.6 MB
UBER PayGapStudy 2018

Anmerkungen

[1Ausser für Studentinnen, deren Kontingent erschöpft ist

[2Der Workshop von Alexandra von Knobloch zum Thema "Design Thinking" wird leider als "Nicht mehr verfügbar" angezeigt. Gleiches gilt auch für "How to Instagram: Mit dem boomenden Netzwerk Geschichten erzählen" von Mara Wecker. Also werden ersatzweise zwei Alternativen eingetragen in der Hoffnung, vielleicht vor Ort doch noch tauschen zu können.

[3Die zunächst online zur Kenntnis gebrachte Liste ist ja inzwischen vom Netz genommen und durch eine bunte VIP-Mischung von, wie es heisst, "kluge[n] Menschen", ersetzt worden.


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