CEBIT statt CeBIT, der Kommentar

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 18. Juni 2018 um 16 Uhr 47 Minuten

 

Bevor es die Stellungnahmen rauf und runter geben wird - einige von diesen werden hier im Nachgang auch noch zitiert werden - hier der Versuch eines Kommentars, nachdem nach dem Besuch am Donnerstag eine weitere Anreise heute nicht mehr möglich sein wird:

Die neue „CEBIT“ besteht nur noch aus Grossbuchstaben. Die alte „CeBIT“ hatte in ihrem Brand noch ein kleines „e“ stehen. In weisser Farbe auf rotem Grund. Die neue CEBIT erscheint in schwarzer Farbe auf gelbem Grund.

Etikettenschwindel? Oder weil den Verantwortlichen dann doch irgendwann schwindelig geworden ist von den abstürzenden Besucherzahlen?

In einem der zuvor schon an anderer Stelle zitierten Kommentare wird diese neue Show mit dem alten Titel mit der GamesCom verglichen, der im letzten Jahr rund dreihundertfünfzigtausend Besucher zog. Und gefragt, ob es die neue CEBIT zumindest auf eine Zehntel dieses Betrages an zahlenden Teilnehmern bringen würde.

Die angeblich immer noch "weltgrössten Veranstaltung ihrer Art", wie in den Reden zur Eröffnung zu hören war? Oder doch lieber „small is beautiful“? Wie gut, dass zumindest noch Volkswagen in der Nähe ist. Sie putzen sich gleich zu Beginn der Woche mit einer Weltpremiere auf. Statt vor dem nun in die Halle 11 verlegten Pressezentrum nun die Open-Air-Fläche mit einem „California“-Look aus vielen knallschwarzen Bullis, die mit gut 30 Fahrzeugen und 50 Fahrern dafür sorgen, dass den tatsächlich eingetroffenen Besuchern nun sogar eine individualisierte Transportmöglichkeit bereitgestellt werden kann.

Vergessen wir mal einen Moment lang den auch für dieses Jahr zu verzeichnenden Zuschauerschwund – egal, ob nun am Ende überhaupt gütige Zahlen herausgegeben werden oder nicht – und freuen wir uns an der neuen Qualität einer zunehmend individualisierten Besucher-Ansprache. Wenn es gelänge, aus dieser Not einen Tugend zu machen, wäre das wirklich eine tolle Messe.

Würden in Zukunft die vielen Referenten und SprecherInnen nicht wie die Spielfiguren eines Kirchglockenspiels durch die Ein-Sicht-Luke geschoben, könnte aus diesem objektiv zu konstatierenden Mangel ein echter Vorteil ergeben.

Es sei denn der Capital-per-head-Koeffizient ist so katastrophal, dass man sich überhaupt keine Wiederholung dieses Experiments mehr wird leisten wollen; in dem Wort "CEBIT" steckt nicht nur das Wort "BIT", sondern auch "EBIT". Und wenn doch, gilt auch für das Folgejahr: Klotzen statt kleckern.

Wie lange hat es gebraucht, dass das „reduce to the max“ des SMART genannten Autos doch noch zu einem erfolgsträchtigen Slogan wurde? Zu lange, viel zu lang! So viel Zeit wird der Zukunft der neuen CEBIT nicht mehr gewährt werden können.

Auch wenn auf fast jedem der Redebeiträge immer wieder zu hören war, dass man keine verlässliche Zusagen für die auch näherliegenden Zukünfte machen könne, sei hier ein klares Zeichen gesetzt: wenn sich die Betreibergesellschaft entschliessen sollte, diese Veranstaltung noch über dieses Jahr fortführen zu wollen, dann gibt es nur noch diese Alternative: Entweder hat man mit diesem neuen Format im übernächsten Jahr das rettende Ufer einer neuen finanziellen Stabilität erreicht, oder 2020 ist das letzte Jahr der 3. CEBIT - oder der 35. CeBIT, die es so schon heute nicht mehr gibt.

WS.


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